„Mazel tov“ für ein Bürgerprojekt

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

Heute geht ein großer Herzenswunsch in Erfüllung“, sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs bei der Zeremonie auf der Baustelle des neuen  Gemeindezentrums am Brixener Hof. Wolbergs bezeichnete vor etwa 250 Gästen aus Wirtschaft, Kirche und Politik, aber auch direkte Nachbarn wie Domkapellmeister Georg Ratzinger, den Mittwoch, 19. Oktober 2016, als einen historischen Tag für die jüdische Gemeinde von Regensburg, aber auch für die ganze Stadtgesellschaft. Nach dieser Nacht der Schande von 9. auf 10. November 1938, als die Synagoge niedergebrannt wurde, sei es wichtig, dass der jüdischen Gemeinde endlich ihre Synagoge zurückgegeben werde.

Stadt Regensburg Peter Ferstl

Bei der Zeremonie waren Johanna Müller und Juliane Koch, die beiden Enkelinnen des Architekten Joseph Koch zugegen, der 1912 die zweite frei stehende Synagoge der Stadt gebaut hatte, die in der Pogromnacht in Flammen aufgegangen war.

Stadt Regensburg Peter Ferstl„Unser Herz quillt über, wo wir doch heute, so Gott will, den Beginn des Wiederaufbaues unseres Gotteshauses, das aus der fast 78-jährigen Asche wieder auferstehen wird, feiern dürfen“, sagte Rabbiner Josef Bloch.

Für die Vorsitzende der Gemeinde, Ilse Danziger, war der Tag der erste Schritt hin auf die Verwirklichung eines großen Ziels, im Februar 2019, 500 Jahre nach der ersten Vertreibung der Juden aus Regensburg, wieder eine Synagoge in Regensburg einweihen zu können.

„An Tagen wie diesen habe ich keine Angst“, sagte Hanna Zisler, die Vizepräsidentin des Jüdischen Landesverbandes aus Straubing. Für sie grenze die Grundsteinlegung an ein Wunder.

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Dieter Weber vom Förderverein Neue Synagoge hatte dieses ehrgeizige symbolische Ziel 2019 als erster formuliert, anfänglich mit Bauchschmerzen, wie er bekannte. Aber mittlerweile sei die Synagoge zum Bürgerprojekt geworden und habe eine unheimliche Dynamik entwickelt.

Per Pedersen vom Architektenteam Staab aus Berlin freute sich, dass er die Planung für so ein offenes Haus machen könne. „Ich hoffe auch, dass es so betrieben werden kann.“

Für Adele Neuhauser war es eine große Ehre, die Schirmherrschaft angetragen zu bekommen. „Ich habe sofort zugesagt“, sagte die Schauspielerin. „Ich bin der Stadt und ihren Bürgern verbunden. Und ich spüre, dass das auch umgekehrt der Fall ist.“ Für sie sei die Grundsteinlegung für eine Synagoge ein besonderes Ereignis. Sie sei ein Zeichen. „Liebe und Empathie sind wichtig in einer Zeit, in der immer mehr zum Hass aufgewiegelt werde. „Wir müssen auf dieser Erde miteinander leben, nicht gegeneinander.“

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